Neues Medikament lindert Reisekrankheit nach 40-jähriger Pause

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Für die Millionen, die unter Reisekrankheit leiden, wurde eine neue Behandlung entwickelt: Nereus (tradipitant), das erste von der FDA zugelassene Medikament für diese Krankheit seit vier Jahrzehnten. Etwa jeder dritte Mensch weltweit ist von der Reisekrankheit betroffen, die bei Reisen mit dem Auto, der Bahn, dem Flugzeug oder dem Boot zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und anderen unangenehmen Symptomen führt. Obwohl die Erkrankung normalerweise harmlos ist, kann sie für diejenigen, die dazu neigen, schwächend sein.

Wie Nereus funktioniert

Das Medikament blockiert einen wichtigen chemischen Weg im Gehirn, der Erbrechen auslöst. Reisekrankheit tritt auf, wenn das Gehirn widersprüchliche Signale von den Augen, dem Innenohr und dem Bewegungssinn des Körpers empfängt. Dieses Missverhältnis aktiviert Substanz P, einen chemischen Botenstoff, der über Neurokinin-1 (NK-1)-Rezeptoren das Erbrechen stimuliert. Tradipitant, ein NK-1-Antagonist, unterbricht diesen Prozess und verhindert so wirksam den Brechreflex.

Die FDA hat Nereus auf der Grundlage klinischer Studien zugelassen, die eine signifikante Wirksamkeit zeigten. In einer Studie mit fast 400 Teilnehmern kam es bei weniger als 20 % derjenigen, die Tradipitant einnahmen, zu Erbrechen, verglichen mit über 44 % in der Placebogruppe. In einer anderen Studie wurde festgestellt, dass das Medikament je nach Dosierung (85 mg oder 170 mg) bei 80–90 % der Teilnehmer das Erbrechen verhinderte.

Das Medikament sollte etwa eine Stunde vor der erwarteten Reisekrankheit oral auf nüchternen Magen eingenommen werden. Die empfohlene Höchstdosis beträgt 170 mg pro Tag.

Vergleich von Nereus mit bestehenden Behandlungen

Zu den traditionellen Heilmitteln gegen Reisekrankheit gehören Antihistaminika wie Dramamin und Scopolaminpflaster. Allerdings gehen diese häufig mit Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Mundtrockenheit und verschwommenem Sehen einher. Nereus zielt darauf ab, diese Nachteile zu vermeiden, indem es auf einen spezifischeren Gehirnweg abzielt und so unerwünschte Nebenwirkungen reduziert.

Andere NK-1-Antagonisten werden bereits in der Medizin eingesetzt – Maropitant für Haustiere und Aprepitant gegen postoperative Übelkeit beim Menschen – was auf ein nachgewiesenes Sicherheitsprofil dieser Medikamentenklasse schließen lässt. Klinische Studien mit Nereus berichteten über leichte Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und Müdigkeit, die weitaus weniger schwerwiegend waren als die bei älteren Behandlungen.

Jenseits der Reisekrankheit: Mögliche Anwendungen

Vanda Pharmaceuticals, der Hersteller des Arzneimittels, prüft weitere Einsatzmöglichkeiten für Tradipitant. Das Unternehmen hat Studien abgeschlossen, die darauf hindeuten, dass das Medikament Übelkeit und Erbrechen reduzieren kann, die durch GLP-1-Medikamente (zur Behandlung von Fettleibigkeit und Diabetes) verursacht werden. Diese Nebenwirkungen sind ein Hauptgrund dafür, dass Menschen diese Medikamente absetzen, was Nereus zu einer potenziell wertvollen Zusatztherapie macht.

Nicht-medikamentöse Ansätze zur Behandlung der Reisekrankheit

Während Medikamente wirksam sein können, können auch verschiedene nichtmedikamentöse Strategien Linderung verschaffen:

  • Sensorische Konflikte minimieren: Konzentrieren Sie sich auf einen festen Punkt (wie den Horizont), um den visuellen Input mit den Innenohrempfindungen in Einklang zu bringen.
  • Verhaltenstechniken: Kontrollierte Atmung und Entspannung können Beschwerden lindern.
  • Natürliche Heilmittel: Ingwerbonbons können helfen, den Magen zu beruhigen.
  • Akupressur-Armbänder: Einige empfinden Linderung durch diese Geräte, von denen angenommen wird, dass sie die Endorphinausschüttung stimulieren.

Die Einführung von Nereus stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung der Reisekrankheit dar und bietet einen neuen Wirkmechanismus mit möglicherweise weniger Nebenwirkungen. Ob es sich gegenüber bestehenden Therapien als überlegen erweist, bleibt abzuwarten, aber es bietet eine neue Option für diejenigen, die mit dieser Volkskrankheit zu kämpfen haben.